Donnerstag, 13. Oktober 2011

Alois Suter (Lisäbetler)

Gebrüder Suter, Johann Josef links, Alois rechts (Quelle: Bildarchiv Alois Bürgler, Muotathal)

Alois Suter wurde am 14.7.1861 in Muotathal geboren und starb am 30.4.1950 in Schwyz. In jungen Jahren  war er in den Diensten der päpstlichen Schweizergarde in Rom. Zurück im Muotatal hatte er seinen Wohnsitz im Maienen, Ried-Muotathal und arbeitete als Sigrist. Aus seiner Ehe mit Aloisia Pfyl (Lebensdaten unbekannt) gingen die Tochter Elisa (1889-1961) und zwei Söhne  Leo (geb. 1897-1994, Schuhmacher) und Alois (1902-1988, Maler) hervor. Beide Söhne blieben unverheiratet und hinterliessen keine Nachkommen.

Alois Suter gehörte zur ersten Generation von Schwyzer Handharmonika-Spielern. Er interpretierte das überlieferte Musikgut, das bis zur Erfindung der Handharmonika v.a. auf Blas- und Streichinstrumenten gespielt wurde. Erstaunlicherweise hat er Aufnahmen für Schellackplatten gemacht von denen heute noch zehn Tänze erhalten sind. Hier der Bericht von Peter Betschart (Muotathal) darüber, wie er in den Besitz dieser Aufnahmen gekommen ist: 
"Die Geschichte mit den Aufnahmen war so: Zu meiner Seminarzeit suchte ich für meine Diplomarbeit Musikaufnahmen und gelangte irgendwie an den Lisäbethler, weil der anscheinend etwa gleichzeitig mit dem Eggbasch ein Orgäli gekauft hatte und auch mit diesem zusammen aufgespielt haben muss. Seine Söhne lebten im Ried, heute Landmaschinen Mathis. Leo war eine Art Schuhmacher und Alois war Maler. Ich besuchte sie und Leo holte nach längerem einen Grammophon zum Aufziehen und so kleine Schallplatten. Darauf waren die paar Stücke, .... Ich meine, er habe gesagt, dass sie die Aufnahmen in Basel oder Paris gemacht hätten. ...Jedenfalls nahm ich die Platten mit dem Mikrofon auf, leider. Ein oder zwei Jahre später wollte ich die Platten kaufen, aber er hatte sie nicht mehr. Es sei mal ein Altwarenhändler gekommen und da habe er sie verkauft."
Alois Suter wurde zu einem Vorbild für spätere Muotataler Musikanten. Rees Gwerder (Eigeler) hat sich auf ihn bezogen und Alois Betschart (Pitschä Wysel) hat ihm eine Mazurka gewidmet (Dr Lisäbethler).

Auszug aus der Liegenschaftsgeschichte Muotathal-Illgau:
Der Alois, nach dem Tod seines Bruders einfach "der Lisebetler" genannt, starb 1950, und sein Nachruf in der Zeitung (SZ 19.5.1950) bringt allerlei bemerkenswertes: in jungen Jahren alpte er auf Tröligen, 1883 tat er 1 Jahr Dienst in der Schweizergarde beim Papst in Rom.1886 ging er für 4 Jahre nach Deutschland als Melker und unternahm von dort aus Reisen nach Köln und Holland und Paris; im Muotathal war er nachher der erste Velofahrer und der zweite Handörgelispieler und wurde einer der grossen und geschätzten Volksmusikanten (Eigelers Reesel tat es an seinem 75. Geburtstag allen kund, dass er am meisten vom Lisabetler gelernt habe). 25 Jahre lang war er der Rieter Siegrist. Berühmt waren auch seine grossen Märsche durchs Schweizerland zu Fuss, und auch in den kältesten Wintern ging er barfuss in den Schuhen. Das bäuerliche Heimwesen musste er mit dem Alter aufgeben, da seine beiden Söhne anderen Berufen nachgingen: Leo (geb. 1897) lernte Schuhmacher, und Alois (geb. 1902) wurde Maler, und beide waren meist auswärts. Seit 1929 wohnte der Vater bei seiner Tochter in Kaltbach und ist auch dort gestorben 1950, wurde aber auf seinen Wunsch im Muotathal beerdigt. Seine beiden Söhne Alois und Leo kamen um 1955 ledig ins Tal zurück und wohnen seither zur Miete im Schnyderen-Haus, dem Haus ihrer Grossmutter. - Der Maler Alois ist unterdessen im Januar 1988 gestorben.
(Quelle: Gwerder Alois: Liegenschaftsgeschichte Muotathal – Illgau. Band I: Ried und unter Stoos. Schwyz: Triner 1988. S. 81)



Link zu Musikbeispiel (mp3, Download)
Lisebethler ev. mit Egg-Basch (Mikrofon-Aufnahme ab Schellack-Platte)

1 Kommentar:

  1. Cheibe guet hesch du das usegfunde!
    Bravo und merci.
    Alois

    AntwortenLöschen